reflections

Du comische Figur du...

Oft sieht man wen, der Bilder malt,
nur selten wen, der sie bezahlt.
Wilhelm Busch

Dieses Motto habe ich schon einmal für einen anderen Bericht verwendet, doch nirgendwo trifft es so sehr zu, wie im Comic-Bereich. Deswegen ist es um so wichtiger, dass man wirklich Ahnung von seinem Handwerk hat, wenn man ein bisschen Erfolg haben möchte.

Doch da es in Deutschland keine einheitliche Ausbildung für Comic-Zeichner gibt(anders als in Belgien z.B., wo dazu sogar ein Studiengang angeboten wird) tummeln sich auf dem deutschen Markt unzählige Autodidakten, Halbwissende und gescheiterte Genies. Dabei mangelt es nicht an begabten Zeichnern.

Also hieß es über Jahrzehnte `Learning by Doing´ (was grundsätzlich ja auch nichts Schlechtes ist), denn Literatur in diesem Bereich beschränkte sich bis vor einigen Jahren auf wenige, meist sehr teure und noch dazu oft in Englisch verfaßte Bücher oder eben reine Stilanalysen der verschiedenen Richtungen, also mehr Beschreibung, als Leitfaden zum Selbermachen. (einzig brauchbares Werk, dass mir in dieser Zeit untergekommen ist, war `How to draw Comics the Marvel way´, aber da ran zu kommen war und ist extrem schwierig.) Erste Gehversuche zu dem Thema auf dem deutschen Markt machte Thorsten Heise mit dem Buch `Hey! Mach dir deinen eigenen Comic.´ Das Konzept war gut, doch die Zeichnungen und auch die Gestaltung waren wenig ansprechend.

Die Lösung für mich kam 1998 mit dem Buch `Comic-Zeichnen für Einsteiger´ heraus, das viele meiner Wissenslücken auf leicht verständliche, humorvolle Art geschlossen hat und an dem ich euch nun teilhaben lassen möchte.

Das Buch
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Bernd Natke
`Comic-Zeichnen für Einsteiger.´
Augustus-Verlag, 1998 (3. Auflage 2001), ISBN 3-8043-0565-2
80 Seiten, Farbe und durchgängig stark illustriert.
Das Buch kostete damals noch 24,90 DM und liegt heute bei ca 14 Euro.


Der Autor
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Geboren 1962 in Bremen lebt und arbeitet Natke heute in Hannover(Er hat dieser Stadt sogar ein eigenes Comic Album mit dem Titel `Hannover-ein Stadtführer´gewidmet.)

Natke ist der klassische Autodidakt und Seiteneinsteiger von dem oben die Rede war(mit dem Unterschied, dass er durchaus Erfolg hat) Er zeichnet, seit er einen Stift halten kann und kam über die klassischen Motive wie Landschaften und Ähnliches zum Comic.

Da seine Bewerbung zum Industriedesign-Studium abgelehnt

Bilder
  • Comic - Zeichnen für Einsteiger (Augustus) / Bernd Natke Bild 5484947 tb
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Comic - Zeichnen für Einsteiger (Augustus) / Bernd Natke Bild 5484947 tb
Cover
wurde, studierte er Mathematik(und schloss, was für diesen Werdegang unüblich ist, sogar ab.) Doch die Zeichnerei gab er nicht auf. Schon während des Studiums finanzierte er sich übers Zeichnen. Er nahm Werbeaufträge (u.a. für Mannesmann und Schwäbisch Hall) an und arbeitete nebenbei seine ersten Geschichten über eine Horde gar nicht asketischer Mönche aus. Seine ersten Erfahrungen mit der franko-belgischen Schule prägten dabei seinen Stil entscheidend mit.1990 und 1991 erschienen, noch während des Studiums, seine ersten beiden Alben: "Schwarzweiß" und "Mac Rogers: die sieben Prophezeiungen"zu dem es noch Folgebände gab.

Der Erfolg veranlasste ihn, die Mathematik nach dem Abschluss an den Nagel zu hängen und professioneller Zeichner zu werden. Bis heute sind zahlreiche Alben und Serien erschienen, wie z.B. die Abenteuer des kleinen Todes, die Rennsportparodie Arnie Cassecou, oder Benni und natürlich 1998 die Comic-Zeichenschule `Comic-Zeichnen leicht gemacht.´

Mitte der 90er beschloss Natke, sein mühsam erworbenes Wissen und Erfahrungen an andere weiterzugeben und gab Kurse an der Volkshochschule, wobei er sich seine Manuskripte mangels Literatur selber zusammenstellte.

Daraus entstand später das Buch ´Comic-Zeichnen leicht gemacht.´, das ich euch nun noch detaillierter vorstellen möchte.

Wer mehr zum Autor oder seinen Publikationen wissen möchte, oder einfach mal in Sachen, wie den kleinen Tod hinein lesen möchte, dem empfehle ich folgende Webseiten.

www.natke.info/
www.der-kleine-tod.de

Wer sich für das Thema Comic allgemein begeistert und vielleicht sogar selber zeichnet, dem sei folgende Seite dringend empfohlen:

www.inkplosion.de

Der Inhalt
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Ich weiß, wie ungeliebt, weil langweilig, bei den meisten Kapitelaufzählungen sind, doch hier möchte ich euch das durchaus zumuten, da wir von einem Sachbuch reden und die Kapitel am besten wiedergeben, welchen Inhalt man erwarten kann.

1.Vorwort
Dazu muss man nicht so viel sagen, denn hier erzählt der Autor nur kurz, aber humorvoll, wie er in das Abenteuer `Sachbuch´ hineingestolpert ist.

2.Zeichenmaterialien und Grundlagen
Hier geht es auch schon gleich in die vollen. Es wird zu verwendendes Arbeitsmaterial und die Art wie man es verwenden soll erklärt und eine Einführung in Grundlagen des Zeichnens, die Entstehung einer Seite von der Vorzeichnung bis zum Endprodukt und zum Thema Kolorierung gegeben, so dass der Leser bzw. Ratsuchende gleich weiß, worauf er sich einstellen muss.

3.Der Kopf
Diesem Thema widmet der Autor bewußt ein ganzes Kapitel, denn gerade Gesichter, Ausdrücke und zum Charakter der Figur passende Köpfe unterscheiden einen gelungenen von einem schlechten Comic, da in diesem Genre die meisten Informationen einfach über das Bild und nicht über den Text vermittelt werden.
4.Der Körper
In diesem Kapitel finden sich wichtige Hinweise zur Proportionierung von Comicfiguren gegenüber dem herkömmlichen menschlichen Kanon(immerhin lebt ein Comic durch Übertreibung der Wirklichkeit). Ebensoviel Bedeutung wird der Darstellung von Bewegungen des Körpers gewidmet (hierzu gibt es viele kleine Hilfsmittel, wie Bewegungslinien oder einen speziellen Aufbau der Figur). Zu guter Letzt wird hier noch auf den wichtigen Aspekt der Wiedererkennung der Figur eingegangen.

5.Das Einzelbild
Während sich die anderen Kapitel mit den Vorbereitungen und Grundlagen beschäftigen, kommen wir hier schon in den comicspezifischen Bereich von Einzelbildaufbau durch Auschnittwahl, Bildformate und die Anwendung von Perspektive.
Im weiteren wird hier zum ersten Mal auf den Text, das Lettering, Sprechblasenformate und gängige Lautmalereien und Metaphern eingegangen.
Alles in allem also ein kleines aber sehr wichtiges Kapitel in diesem Buch.

6.Die Bilderfolge
Ihr seht, wir bewegen uns immer weiter Richtung fertige Comic. Hier geht es um Leserichtung und Bilderfolge, Spannungsaufbau und Montagetechnik und um die Komposition der gesamten Seite bzw. Doppelseite(ja, manchmal muss man auch zwei Seiten gleichzeitig berücksichtigen)

7. Was macht einen guten Comic aus?
In diesem Kapitel finden wir alles an Tipps, was in den übrigen Kategorien nicht so recht gepasst hat. Dennoch schafft es der Autor, aus dem Kapitel trotzdem eine Art Zusammenfassung zu stricken(wie, hab ich immer noch nicht enträtselt) Wenn man sich durch das ganze Buch gearbeitet hat, dann bietet Kapitel sieben einen schönen Abschluss, wenn man nur quer oder gar nicht gelesen hat, ist Kapitel 7 ein schöner und informativer Aufsatz zum Thema Comic.

8.Nachwort
Im Nachwort richtet der Autor das Wort noch einmal direkt an den Nachwuchs. Er macht gleich klar, dass sein Buch wirklich nur als Einstieg gedacht ist und keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. (Obwohl ich schon finde, dass das Wichtigste drin ist.) Es folgen ein paar Hinweise auf Kontaktmöglichkeiten zu Verlagen und Interessante Events in dem Bereich und zum Schluss noch der Hinweis, dass man sich nicht entmutigen lassen soll und zum Erfolg nur Üben führen kann.

9.Glossar
Der ist in diesem Buch bitter nötig, besonders wenn man ein Neuling in Sachen Comic-Fachsprache ist. Wer weiß schon einfach so was Onomatopöie(Lautsprache) oder ein Panel(Bildkasten) ist.

Und schon sind wir durch. Zu sagen bleibt noch, dass das Buch durchgängig Humorvoll und leicht verständlich geschrieben ist und ein sehr übersichtliches Layout hat. Natke hat viele seiner Kapitel zur Verdeutlichung der Sachverhalte noch mit eigenen Arbeiten, sprich eigenen Comicbildern und Seiten Iillustriert, macht jedoch, wo es Sinn macht, auch Anleihen bei bekannteren Figuren wie Asterix oder Gaston. Schließlich finden sich seine eigenen Erfahrungen mit verschiedenen Arbeitsweisen und Techniken in kleinen Textpäckchen mit der Überschrift `Tipps´ am Ende der Kapitel wieder, wobei der Autor stets das Interesse und die Lesegewohnheiten des Lesers im Auge behält. Der didaktische Wert des Buches ist also ebenfalls hoch.(Man merkt einfach, dass er schon Kurse zu dem Thema gegeben hat)

Alles in Allem macht er dieses Buch so wertvoll sowohl für Erstleser, als auch für Nachschlager(ja wirklich, ich benutze das Buch mittlerweile wie ein Nachschlagewerk.

Mein Fazit
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Wenn man in die Literaturrecherche das Thema Comic-Zeichnen eingibt, trifft man garantiert auf dieses Buch, denn es ist mittlerweile zum beliebtesten, wenn nicht zum Standardwerk auf diesem Sektor avanciert.

Zum einen ist sicher die ohnehin schwache Literatur zum Thema Schuld daran. Zum anderen ist es aber einfach in Qualität und Aufmachung dieses Buches begründet,

Es ist leicht verständlich geschrieben, mit Humor gespickt, fachkundig aufgezogen, schön bebildert und trotzdem erstaunlich dünn(was ja auch nicht zu unterschätzen ist.)

Manches kam mir persönlich ein wenig zu kurz(z.B. der Glossar oder verschiedene Kapitel zum Thema `Wie mach ich das genau?", aber dafür ist das Buch ja auch nicht gedacht. Es ist, wie der Titel schon sagt, ein Buch für Einsteiger. Das ich es als Fortgeschrittener immer noch gelegentlich zur Hand nehme, spricht meiner Meinung nach eher noch für das Buch.

Was mir als Hinweis wichtig ist: Das Buch ist eine hervorragende Hilfe für alle, die sich mit Comics zeichnerisch auseinandersetzen wollen. Das Zeichnen als solches lernt man damit allerdings nicht. Grundlagen sollten also schon vorhanden sein, denn sonst wird es schwierig. Aber das ist, finde ich, völlig ok. Es heißt ja auch nicht Zeichnen für Einsteiger, sondern Comic-Zeichnen für Einsteiger.

Wer sich, auch als Nicht-Zeichner, darüber im Klaren ist, kann trotzdem noch jede Menge Wissenswertes und Unterhaltsames zum Thema Comic aus dem Buch ziehen.

Nach langer Suche mit vielen Rückschlägen habe ich mit dem Buch `Comic-Zeichnen für Einsteiger.´ endlich gefunden, was ich mir vorgestellt habe und ich kann dieses Buch mit gutem Gewissen weiter empfehlen.

Ich habe euch unten mal das Cover abgebildet und ein paar Zeichnungen von Bernd Natke dazu kopiert. Vielleicht habt ihr ja auch Spass an seinen Arbeiten.

28.2.12 20:54

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